Gerichtsgebäude: Neuer Ausweichsitz festgelegt

24.07.2026, 13:38

Landesrat Bianchi, Gerichtspräsidentin Bortolotti, Landeskonservatorin Dalla Torre und Ressortdirektor Bedin berichten über die weiteren Schritte

Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti (im Bild von links), Landesrat Christian Bianchi und Landeskonservatorin Karin Dalla Torre berichten über die weiteren Schritte in Sachen Gerichtsgebäude. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti (im Bild von links), Landesrat Christian Bianchi und Landeskonservatorin Karin Dalla Torre berichten über die weiteren Schritte in Sachen Gerichtsgebäude. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

BOZEN (LPA). Etwas mehr als eine Woche nach dem Teileinsturz des Gerichtsgebäudes in Bozen, haben der Landesrat für öffentliche Arbeiten, Vermögensverwaltung, Grundbuch und Kataster Christian Bianchi, die Präsidentin des Landesgerichts Bozen, Francesca Bortolotti, die Landeskonservatorin Karin Dalla Torre und Ressortdirektor Daniel Bedin bei einem Pressetermin auf dem Gerichtsplatz über den Stand der Arbeiten informiert. Vor allem eine Nachricht stand bei der Pressekonferenz am 24. Juli im Mittelpunkt: Der provisorische Ausweichsitz wurde im Wesentlichen bereits festgelegt, die offizielle Bekanntgabe soll in der kommenden Woche erfolgen.

"Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag in den vergangenen Tagen darauf, die Baustelle zu sichern und weitere Einstürze oder Schäden zu verhindern. Das ist dank des großen Einsatzes von Unternehmen, Technikern und Feuerwehr gelungen", erklärte Landesrat Bianchi. Besonders wichtig sei die Sicherung der Fassade. "Deshalb wurde ein Auftrag für die Errichtung eines Gerüsts vergeben. In den kommenden Tagen werden entlang aller Gebäudeflügel Sensoren installiert, die mögliche Erschütterungen und Bewegungen überwachen, um den Umzug aller notwendigen Einrichtungen an den neuen Standort vorzubereiten", kündigte Bianchi an. In einer weiteren Phase werde über eine Ausschreibung die Planung für den Wiederaufbau des Gebäudes in Auftrag gegeben. Landesrat Bianchi hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten sowie die große Solidarität gegenüber der Gerichtsbarkeit hervor.

"Der zweite Teil unserer Arbeit betraf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für den provisorischen Sitz", fuhr Bianchi fort. "Dass unsere Markterhebung zwanzig Angebote ergeben hat, war eine erfreuliche Überraschung. In einer ersten Sitzung wurden die vier am besten geeigneten Objekte ausgewählt und bereits besichtigt. Wir können sagen, dass die Lösung gefunden wurde. Formalisiert und bekanntgegeben wird sie allerdings erst Mitte kommender Woche", kündigte Bianchi an.

Bortolotti: "Die Justiz in Bozen steht nicht still"

Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti dankte allen Beteiligten für ihre Zusammenarbeit und Solidarität. Sie betonte, dass die Justiz in Bozen ihre Tätigkeit weder eingestellt habe noch einstellen werde. In seiner Sitzung am 23. Juli habe der Ministerrat ein Gesetzesdekret verabschiedet, das die automatische Verschiebung aller zwischen dem 16. Juli und dem 30. September angesetzten Verhandlungen vorsehe. "Alle dringenden und unaufschiebbaren Tätigkeiten bleiben jedoch gewährleistet. Wir stellen bereits jetzt alles sicher, was während der Gerichtsferien gewährleistet werden muss. Der einzige Unterschied zur normalen Situation besteht in der um einen Monat verlängerten Regelung der Gerichtsferien", erklärte Bortolotti.

Dalla Torre: "Kulturgüter tragen zur Würde der Institution bei"

Bislang richtete sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vor allem auf die Funktionsfähigkeit der Institution und auf Sicherheitsaspekte. "Die Bedeutung der Kulturgüter darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden", erklärte Landeskonservatorin Karin Dalla Torre. "Deshalb danke ich Gerichtspräsidentin Bortolotti, die für diese Themen stets großes Verständnis gezeigt hat, sowie dem Landesrat und den Kolleginnen und Kollegen der Landesverwaltung für ihre Unterstützung", sagte Dalla Torre. "Seit 2023 bin ich auch Landeskoordinatorin für Notfälle im Bereich des Schutzes von Kulturgütern. Wir alle hofften, dass diese Funktion nie notwendig sein würde, doch leider ist eingetreten, was eingetreten ist", sagte Dalla Torre. "Wenn wir an die Würde einer solchen Institution denken, spielen die Kunstwerke in einem Gebäude wie diesem eine wichtige Rolle." Deshalb werde nun, gemeinsam mit einem spezialisierten Restaurator, versucht, alles zu retten, was gerettet werden könne, auch um die Werke künftig wiederherstellen zu können. "Von großer Bedeutung ist auch das historische Archiv in den Kellerräumen aus dem Jahr 1920, das Teil des Staatsarchivs ist. Sobald es die Sicherheitslage zulässt, wollen wir das Archivgut sichern und es mit Unterstützung des Roten Kreuzes an einen geeigneten Ort bringen, um es dort zu reinigen und zu restaurieren", kündigte Dalla Torre an.

mdg/pir